Dr. Ulrich Blanke Drucken
Geschrieben von: Müller   
Freitag, 31. März 2017 um 08:23 Uhr

In unserer Reihe „ So sind wir“ - NaturFreunde stellen sich vor – heute Dr. Ulrich Blanke

Nach dem Abitur 1964 und anschließendem Studium der Mathematik und Philosophie kamen 1971 die Promotion zum Dr. rer. nat. in Bochum und folgerichtig eine Stelle als Beamter auf Lebenszeit für Mathematik in Bielefeld. Als ihn eine akademische Laufbahn auf Dauer als Lebensplan nicht mehr befriedigte, erfolgte 1976 die Kündigung. Ulrich wollte etwas sehen von der Welt, eine erweiterte Sicht auf die Dinge des Lebens und die Lebenswirklichkeit seiner Mitmenschen bekommen.Er arbeitete zunächst als LKW-Fahrer. 1977 lernte er seine Frau Guni auf einer Anti-Atomkraft-Demo in Grohnde kennen und entschloss sich, mit ihr zu gehen, So kam er nach Nordhessen – Guni arbeitete damals als Ärztin in Merxhausen. Nun in Sand zusammengekommen war ihnen sehr schnell klar, dass sie in einer größeren Gemeinschaft leben wollten; also suchten sie Mitbewohner für eine Kommune. Gleichzeitig arbeitete Uli im Straßenbau und war HNA – Zusteller, um Geld zu verdienen.

Auch in die Gemeindearbeit in Bad Emstal brachte er sich viele Jahre lang als Gemeindevertreter für die von ihm mitgegründete „Offene Liste“ ein. Zusätzlich wurde das Leben in der Kommune weiter vorangetrieben: Sie gründeten eine Offset-Druckerei als Unternehmen SDS (Sofort Druck Sand) und erlernten den Siebdruck - nicht nur, um ihre Flugblätter selbst drucken zu können. Und, wie könnte es in einer ordentlichen Kommune anders sein, hielten sie Hühner, Enten und züchteten Schafe. Als sich die Kommune 1985 wieder auflöste, ging Uli nach Kassel zu Philipps als Produktmanager, später als Abteilungsleiter Innendienst. Trotz des eh schon so bewegten Lebens war er die ganzen Jahre hindurch Mitglied der Naturfreunde Bad Emstal gewesen, gründete mit anderen eine Theatergruppe und war aktiv in der Friedensbewegung. Und, und, und!

Als er dann in den Ruhestand verabschiedet wurde, kam endlich noch mehr Zeit für seine Lieblingsbeschäftigung: Das Lesen.

Auch heute ist er selbstverständlich Mitglied der Naturfreunde und eine Schlüsselfigur in der Ortsgruppe – eine Vertrauensperson eben. Da er sich als ein Kind der Aufklärung und als Humanist bezeichnet und er Anarchie als eine anzustrebende herrschaftsfreie Lebensform sieht, liegt es auf der Hand, dass er sich heute in der Flüchtlingsarbeit engagiert: Erwachsene bekommen Deutschunterricht, afghanische Kinder Mathe – Nachhilfe. Ein Satz von Uli hat mich tief bewegt: Als Kind hat er für einen großen Verbrecher gebetet, weil er dachte, dass es sonst niemand tun würde.

Wie heißt es im „Kleinen Prinzen“? Man sieht nur mit dem Herzen gut.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 31. März 2017 um 11:26 Uhr